Der verdrehte Blick auf Weiblichkeit durch das Patriarchat


Ich bin eine Frau und wie viele andere Frauen wurde auch ich oft sexualisiert, reduziert und falsch gelesen.
Mein Körper wurde kommentiert, meine Intuition belächelt und meine Haltung hinterfragt.
Lange Zeit habe ich geglaubt, Weiblichkeit sei etwas, das man richtig machen muss: schön genug, ruhig genug, stark genug,schlau genug. Aber immer: genug sein für andere.

Da mir das Thema sehr am Herzen liegt, wollte ich meine Gedanken mit euch teilen.
Ich habe lange überlegt wie ich das ganze Thema angehen soll, da ich weiß das viele Leute innerlich abschalten sobald man das Wort "weibliche Schöpferkraft" hört. 
Für die meisten Menschen ist es zu spirituell und zu ungreifbar, und doch ist es die Urkraft die in uns steckt.

Genau aus diesem Grund muss ich darüber schreiben.
Ich teile das hier nicht, weil ich alles verstanden habe.
Sondern weil ich glaube, dass wir uns erinnern müssen.
An das was in uns lebt, bevor die Welt uns gesagt hat, wie wir sein sollen.

Wenn ich durch Social Media scrolle, höre ich viele Meinungen darüber, wie Frauen zu sein haben.
Männer erklären wie Frauen ticken, andere Frauen korrigieren einander, und irgendwo dazwischen verlieren wir die Bedeutung der ursprünglichen Weiblichkeit.

Unser Blick auf Frauen und Weiblichkeit ist kein neutraler mehr.
Es ist geprägt durch Geschichte, Kultur,Religionen und gesellschaftlichen Erwartungen.
Und doch es ist voller Widersprüche.

Genau darüber möchte ich heute schreiben für die Ladys: über die Illusionen, die uns von uns selbst entfernen. Und über die Klarheit, die entsteht, wenn wir beginnen, Weiblichkeit nicht mehr zu definieren sondern zu fühlen und selbst zu leben.

Das Patriarchat
Um zu verstehen, warum so viele Frauen sich von sich selbst entfremdet haben, müssen wir auf die Wurzel schauen, auf das Patriarchat und seine jahrtausendelange Wirkung auf unser Selbstbild.

Das Patriarchat ist keine "natürliche Ordnung", sondern ein Menschen (Männer) geschaffenes System. 
Ein Machtkonstrukt, dass entstanden ist, als Besitz, Kontrolle und Abstammung wichtiger wurden als das Leben selbst.
Mit dem Übergang zur Sesshaftigkeit begann eine neue Zeit:
  • Land, Tiere, Ressourcen: alles wurde Eigentum.
  • Abstammung wurde wichtiger, vorallem männliche Abstammung, um Besitz und Macht weiterzugeben.
  • Kontrolle über Frauen; insbesondere über Ihre Sexualität und Fruchtbarkeit, so wurde die Frau zum Mittel um "sichere Erblinien" zu garantieren.
Das Patriarchats entstand nicht nur durch gesellschaftliche Umstände, sondern auch durch die kollektive Abkopplung von der Natur und den Fokus auf die Landwirtschaft und das Geld.
So entstand ein System, dass auf Angst vor dem, was nicht kontrollierbar war basiert: weibliche Tiefe, Intuition, Unabhängigkeit und schöpferische Kraft.

Viele früheren Kulturen haben Frauen als was heiliges angesehen, in denen das Weibliche verehrt wurde.
Mit dem Aufstieg monotheistischer Religionen wurde Gott zunehmend männlich gedacht ; und das Weibliche als „verführend“, „irrational“ oder „untergeordnet“ dargestellt.

Das weibliche Prinzip wurde gespalten in „Heilige oder Hure“.
Das spiegelt eine starke Polarisierung wider und hat bis heute Auswirkungen auf das Bild von Weiblichkeit. 

Das Patriarchat ist ein menschengemachtes Konstrukt, und alles was der Mensch erschaffen hat,
kann er auch wieder rekonstruieren.

Die weiblichen Konditionierungen und die leisen Gefängnisse
Von klein auf lernen wir, wie wir "richtig" zu sein haben, um geliebt und akzeptiert zu werden.
Vielen Frauen sollten folgende Sätze bekannt sein:
  • Sei hübsch, aber nicht aufreizend.
  • Sei klug, aber nicht zu laut.
  • Sei lieb und gehorsam und gebe keine Widerworte.
  • Sei emotional, aber bitte nicht zu sensibel.
  • Sei freundlich aber bloß nicht fordernd.
Es sind nicht nur die äußeren Stimmen die uns formen.Wir übernehmen die Stimmen der Gesellschaft und irgendwann werden sie zu unserer eigenen inneren Zensur und somit fangen die leisen Selbstgespräche an:
Bin ich zu laut? Bin ich zu viel? Sollte ich mich kleiner machen? Passe ich überhaupt in das Bild was andere von mir erwarten?

Der Akt der Heilung
Alle negativen Glaubenssätze die du in dir trägst kannst du in positive Glaubenssätze transformieren. Die Entscheidungsmacht liegt bei dir!
Gerne gebe ich euch ein paar Beispiele zur Veranschaulichung:
  • Ich bin zu emotional --> Meine Emotionen sind mein Kompass.
  • Ich bin zu laut --> Meine Stimme verdient Raum, ich darf gehört werden.
  • Ich bin zu viel, nicht gut genug --> Ich bin vollkommen, genauso wie ich bin.
  • Ich muss gefallen, um geliebt zu werden --> Ich bin liebenswert, einfach weil ich bin. 
  • Ich darf nicht wütend sein --> Meine Wut zeigt mir meine Grenzen und meine Kraft.
  • Ich muss perfekt sein --> Echtheit ist wichtiger als Perfektion.
  • Ich darf nicht egoistisch sein --> Meine Bedürfnisse sind genauso wichtig und brauchen Raum.
  • Ich bin zu weich --> Meine Weichheit ist Mut in seiner reinsten Form.

Das Märchen der "unvollständigen Frau" 
Seit Jahrhunderten wird Frauen dieselbe Geschichte erzählt in Märchen,Filmen, Liedern und Serien:
Du bist erst vollständig, wenn dich ein Mann liebt.
Wenn er dich wählt.
Wenn er dich sieht.
Wenn er dich rettet.
Die Frau, die wartet.
Die Frau, die sich anpasst.
Die Frau, die glaubt, erst durch den Mann einen Wert zu haben.
Hollywood nennt es Romantik. Aber was, wenn es in Wahrheit eine kollektive Hypnose ist?

Wir haben gelernt, dass "Happy End" bedeutet, dass die Liebe eines anderen Menschen uns heilt.
Aber kein anderer kann etwas in dir heilen, dass du selbst ablehnst.
Keine Liebe dieser Welt kann dich ganz machen, wenn du dich selbst immer wieder verlässt.

Die alten Rollen der Frau
Jahrhundertelang wurden Frauen in Schubladen gepresst:
Mutter,Jungfrau, Hausfrau, Hure, Hexe.
Was für ein absurdes Theater der Begrenzung. Frauen die zu stark, zu klug, oder zu frei waren, wurden zur Bedrohung erklärt.

Was als Hexenverfolgung begann, war in Wahrheit eine gezielte Auslöschung weiblicher Weisheit.
Kräuterkunde, Heilpflanzen,Geburtshilfe, Heilarbeit, Traumdeutung - alles was nicht durch männliche Autorität kontrolliert werden konnte, wurde dämonisiert.
Und genau das sitzt bis heute tief in unserem kollektiven Gedächtnis.
Genau das ist die Programmierung die uns sagt, dass wir keine Entscheidungsmacht haben und das wir keine innere Führung besitzen. Wir deklarieren alles was wir mit unserem Verstand nicht logisch erklären können als Hirngespinst. So bleibt der Mensch in seinen Ketten gefangen, wie eine Marionette.


Die schöpferischen Eigenschaften einer Frau aus spiritueller Sicht
In vielen Traditionen war die Frau Trägerin des göttlich weiblichen:
  • Ihr Körper ist ein Raum, in dem Leben empfangen und geboren wird, etwas zutiefst Heiliges.
  • Zugang zur geistigen Welt durch Intuition, Träume und Körperweisheit.
  • Alchemistin ; Sie transformiert, wandelt, heilt in sich, und in anderen.
  • durch Menstruation, Schwangerschaft, Wechseljahre ist ihr Körper ein Ausdruck der natürlichen Zyklen.

Wichtig ist: Die weibliche schöpferische Kraft ist kein exklusives Merkmal von Frauen. Jeder Mensch trägt männliche und weibliche Anteile in sich; unabhängig vom biologischen Geschlecht.
Das Weibliche steht hier symbolisch für Qualitäten wie Empfänglichkeit, Intuition, Wandlungsfähigkeit und innere Verbundenheit. 
Auch Männer können und sollten Zugang zu diesen Anteilen finden, um ganzheitlich und schöpferisch zu leben. Ebenso wie das Männliche nicht nur dem Mann gehört, ist auch das Weibliche ein universelles Prinzip, dass in uns allen wirkt. 

Das Männliche strukturiert, richtet aus und durchdringt; das Weibliche empfängt, verwandelt und bringt hervor. Erst im Zusammenspiel dieser Kräfte entsteht echtes schöpferisches Potenzial in der Frau, im Mann und im Leben insgesamt. Beide Kräfte bedingen sich.

Wenn du mehr darüber wissen möchtest schau dir gerne meinen Beitrag an "Das Prinzip der femininen und maskulinen Energie".

Die magnetische Frau
Eine Frau wird dann magnetisch, wenn sie sich selbst anerkennt und zu sich steht.
Ihre Ausstrahlung kommt nicht durch äußere Perfektion, sondern durch innere Klarheit.
Sie lebt im Einklang mit sich selbst: mit Ihrer Intuition, Ihren Werten und Entscheidungen.

Dieser Magnetismus kommt von innen:
  • von gelebter Selbstliebe und Selbstrespekt
  • von Ihrer gelebten Wahrheit/ Authentizität
  • von Ihrer Verbindung zur innewohnenden Kraft

Die Schattenseite des verdrehten Feminismus
Der Feminismus hat den Frauen einiges gebracht; Wahlrecht, Freiheit, Schutz, Sichtbarkeit, Autonomie.
Dafür dürfen wir in erster Linie dankbar sein,auch wenn es eigentlich selbstverständlich sein sollte das dieser Wandel stattgefunden hat.. 
Ein Teil des modernen Feminismus hat sich (zum Teil) von der ursprünglichen weiblichen Essenz entfernt:
  • die Idee, man müsse wie Männer funktionieren um "gleich" zu sein.
    --> Leistung, Disziplin, Durchhaltevermögen, auch wenn der Körper nein sagt.
  • die Annahme, Emotionalität sei Schwäche oder ein Hindernis
    -->Verletzlichkeit wird mit Instabilität verwechselt, emotional zu sein ist "schwach"
  • der Fokus auf Konkurrenz statt kollektive Heilung
    --> Frauen stehen leider noch oft gegen einander statt für einander. Bis dato wird eher verglichen und gemessen.

Rationalität wird über Intuition gestellt
In einer Welt, in der nur zählt, was „messbar/beweisbar“ ist, wird das feine Wissen der Intuition belächelt oder ignoriert.
Dabei ist die weibliche Weisheit oft non-verbal, spürend und körperlich.
Doch anstatt dieser inneren Stimme zu folgen, lernen viele Frauen, Ihre Wahrnehmung zu hinterfragen, bis sie sich selbst nicht mehr trauen.

Zyklisches Leben wird unterdrückt
Das patriarchale System funktioniert linear durch Leistung, Fortschritt, Ziele.
Doch weibliche Energie und das Leben selbst ist zyklisch, wie der Mond und wie die Jahreszeiten.
Viele Frauen zwingen sich, in einem männlichen Rhythmus zu leben, statt mit ihren eigenen natürlichen Zyklen zu leben;  wie dem Menstruationszyklus,Hormonzyklus, emotionalen Tiefphasen oder intuitiven Rückzügen.
Ergebnis: Burnout, Erschöpfung, hormonelle Störungen, Entfremdung vom eigenen Körper.

Erfolg wird nur äußerlich definiert
Viele Frauen jagen Karrieren, Positionen und Statussymbolen hinterher.. nicht aus echter Erfüllung, sondern um zu beweisen, dass sie „genauso gut“ sind.
Erfolg wird oft als Beweis für den eigenen Wert gesucht. Doch solange unser Selbstwert an äußere Anerkennung gekoppelt ist, bleibt die innere Leere bestehen... egal, wie hoch der Titel oder wie teuer das Auto ist.

Weibliche Archetypen werden verdrängt
In vielen modernen Ansichten ist kaum noch Raum für archetypisch-weibliche Qualitäten.
Diese Ur-Bilder wurden durch Leistungsrollen ersetzt:
die Selbstoptimierte, die Hustlerin, die Karrierefrau, die Unabhängige.
Starke Rollen,ja.
Aber oft angestrebt durch das Ego und dem Druck der Außenwelt.

Ich hoffe euch hat der Beitrag gefallen und ihr konntet nochmal ein neuen Einblick in die Thematik bekommen.


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